Die richtige CPU und Grafikkarte finden

Bei PC-Hardware gab es 2018 viele Neuerungen: AMD hat 32 CPU-Kerne etabliert, Intel verkauft immerhin acht Cores statt vier und Nvidias Turing-Grafikkarten folgten auf die zwei Jahre alten Pascal-Modelle. Wir beraten bei Komponenten und geben einen Ausblick auf die kommenden Monate.
Nach Weihnachten ist oft eine gute Zeit, um PC-Hardware zu kaufen: Die Technik des vergangenen Jahres hat sich etabliert und Anfang Januar findet in Las Vegas die Consumer Electronics Show statt, wo die Neuerungen der nächsten Monate vorgestellt werden. Wir aber starten mit einem Rückblick auf 2018, bevor wir Empfehlungen geben und dann nach vorne blicken, was 2019 an neuer PC-Hardware zu erwarten ist.
Rückblick 2018
Das Jahr startet mit den bisher größten bekannten Sicherheitslücken in heutigen CPUs: Meltdown und Spectre machen sich die spekulative Out-of-Order-Befehlsausführung zunutze und können so unberechtigt auf den Speicher von Prozessen zugreifen. Von Spectre betroffen sind praktisch alle modernen ARM-, Power- und x86-Chips, zu den wenigen Ausnahmen gehören ältere Atom-, Cortex- und die Itanium-Modelle. Meltdown trifft primär Intels Architekturen, bei AMDs CPUs greift der Angriffsvektor nicht. Bis heute versuchen Hardware- und Software-Hersteller, das Problem mit Microcode, Firmware und Patches einzudämmen, was jedoch teilweise mit Leistungseinbußen einhergeht. Zudem entdecken Forscher ständig neue Lücken, etwa L1TF (Foreshadow).
Ein paar Tage nach Meltdown/Spectre kündigt Intel einen Kaby Lake G genannten Prozessor an, welcher eine Vega-Grafikeinheit von AMD nutzt. Es dauert aber bis April bis wir den darauf basierenden Mini-PC, den NUC8 Hades Canyon, testen können. KBL-G wird noch in 14 nm gefertigt, da Intel das 10-nm-Verfahren auch 2018 nicht in den Griff bekommen hat und sogar Fabs wieder umrüstet, um genügend Kapazitäten zu haben. Das wirkt sich das ganze Jahr über negativ auf die CPU-Preise und die Verfügbarkeit aus, beispielsweise sind einige Celeron- und Pentium-Modelle viel zu teuer und Chips wie der Core i7-8700K schwer erhältlich.
AMD hat diese Probleme dank Fertigung bei Globalfoundries und Samsung nicht und bringt im Februar mit den Raven Ridge überzeugende Prozessoren mit integrierter Grafikeinheit für Desktop-Systeme auf den Markt. Die darauf basierenden Ryzen Mobile überzeugen uns im direkten Vergleich zu Intels Kaby Lake Refresh, einzig die Akkulaufzeit der AMD-Chips könnte besser sein. Derweil sind Radeon-Grafikkarten wegen des Crypto-Mining-Booms durch Ethereum so stark gefragt, dass die Preise im März noch extrem hoch ausfallen, erst im Laufe des Frühling sinken die Anschaffungskosten der Radeon RX 580 von fast 500 Euro wieder auf unter 300 Euro. Mit Asrock kann AMD zudem einen weiteren Partner für RX-Grafikkarten gewinnen. Wer im Frühling günstige Pixelbeschleuniger für Desktops oder Notebooks erwirbt, musste aufpassen: Nvidia verkauft eine Geforce MX150 mit nur 8 Watt statt 25 Watt und die Geforce GT 1030 mit DDR4 statt GDDR5 ist viel langsamer.
Der April wird zum CPU-Monat: Mit den Pinnacle Ridge wie dem achtkernigen Ryzen 7 2700X zieht AMD mit Intel gleich, vor allem die Spieleleistung steigt durch eine leicht verbesserte Zen-Architektur. Im Mai folgen Hexacores wie der Ryzen 5 2600X, welcher sich sehr gut verkauft. Intel kündigt derweil den Core i7-8086K als Anniversary Edition an, der Chip ist aber kaum schneller als ein Core i7-8700K und daher nicht zu empfehlen. Auch die neuen Notebook-Prozessoren, intern Amber Lake und Whiskey Lake genannt, liefern abseits von mehr Takt keine Neuerungen - zumindest Whiskey Lake ist aber bessere gegen Meltdown/Spectre geschützt.
Ohnehin sind 2018 und 2019 für Intel eher Übergangsjahre, die mit 14 nm überstanden werden müssen. Im Juni tritt sogar der bisherige CEO Brian Krzanich zurück, als offiziellen Grund nennt der Hersteller eine vergangene Beziehung mit einer ihm unterstellten Person. Ungemach droht Intel zudem nicht nur durch die 10-nm-Problematik und gute AMD-Chips, sondern auch durch Snapdragon-Notebooks mit Windows 10 on ARM. Die erste Generation dieser Always Connected PCs hat recht wenig Leistung, aber eine extrem lange Akkulaufzeit. In eine völlig andere Richtung geht der Threadripper 2990WX von AMD: Die erste 32-kernige CPU für Workstations rendert viel schneller als Intels ähnlich teurer Core i9-7980XE, in einigen Anwendungen bremst ihn aber das Quadchannel-Interface. Der 16-Kerne-Threadripper 2950X, der im September erscheint, hat diese Limitierung nicht. Nach unten hin erweitert AMD sein Portfolio auch, der Athlon 200GE ist ein guter Chip für unter 50 Euro.
Richtig teuer wird es hingegen bei Nvidia: Die neuen Turing-Grafikkarten, die Geforce RTX 2080 Ti und die Geforce RTX 2080, kosten 1.300 Euro und 850 Euro. Beide sind zwar sehr schnell, aber nicht so flott, wie manch einer erwartet hat. Nvidia lässt die riesigen Chips noch in 12 nm fertigen, statt aber die Die-Fläche für mehr Shader-Einheiten zu nutzen, verbaut der Hersteller spezielle Kerne für Raytracing und Inferencing. Damit sind bessere Lichtspiele oder Spiegelungen sowie AI-gestützte Kantenglättung möglich, bis heute unterstützen aber nur Battlefield 5 und Final Fantasy 15 diese Techniken. Die Geforce RTX 2070 wiederum ist auf Neudeutsch ein No-Brainer, denn sie liefert für 500 Euro eine ansprechende Performance.
Nur den Kopf schütteln können wir im Oktober: Im Vorfeld zur Veröffentlichung des achtkernigen Core i9-9900K lässt Intel von einem Partner viele Benchmarks anfertigen, die ein massiv verzerrtes Bild geben. AMDs Ryzen 7 2700X wird nur mit vier Kernen vermessen, bekommt langsameren Speicher und den schlechteren Kühler. Ungeachtet dieser fast schon stümperhaft ermittelten Werte ist der 9900K die schnellste CPU für Spieler und auch in Anwendungen sehr flott. Im Enthusias-Segment gibt es mit dem Core i9-9980XEmittlerweile den Nachfolger des Core i9-7980XE, die Geschwindigkeit des 18-Kerners steigt aber kaum an.
Das Jahr endet mit zwei neuen, oder sagen wir beschleunigten Grafikkarten: Die Radeon RX 590 für 300 Euro hat ein bisschen mehr Performance als die Radeon RX 580, die RTX Titanalias T-Rex nutzt einen Vollausbau des TU102-Chips und ist daher eine schnellere Geforce RTX 2080 Ti.

Surface Studio 2 kommt ab Februar nach Deutschland

Microsofts All-in-One-PC Surface Studio 2 wird ab Februar auch in Deutschland angeboten. Das Gerät wird es in drei verschiedenen Konfigurationen mit hellerem Display, aktueller Grafikeinheit, aber weniger aktuelleren CPUs geben. Der Preis ist dabei noch gewöhnungsbedürftiger als zuvor.
Seit einiger Zeit bietet Microsoft die zweite Version seines All-in-One-PCs Surface Studio an. Ab dem 7. Februar 2019 wird er auch in Deutschland erhältlich sein. Er setzt auf eine zum Vorgänger (Test) sehr ähnliche Plattform mit identischem 28-Zoll-Panel und 4.500 x 3.000 Pixeln Auflösung. Zusammen mit dem typischen Schwenkgelenk richtet sich das Produkt wieder an Grafikdesigner und andere professionelle Künstler. In der Theorie soll das Panel mit 515 cd/m² wesentlich heller leuchten als der Vorgänger.
In der Basisversion nutzt das Surface Studio 2 einen zwar aktuelleren, aber noch immer nicht zeitgemäßen Intel Core i7-7820HQ der Generation Kaby Lake mit vier Kernen und acht Threads als Prozessor. Der lässt sich auch nicht aufrüsten. Der Startpreis mit 16 GByte RAM und zumindest aktueller Nvidia-Geforce-GTX-1060-Grafikeinheit liegt im Microsoft Store bei 4.150 Euro. Die erste Version kostete mit 3.550 Euro Startpreis wesentlich weniger. Für den doppelten Arbeitsspeicher und eine Geforce GTX 1070 werden 5.000 Euro fällig. Beide Grafikeinheiten nutzen 6 GByte GDDR5-Videospeicher.
USB Typ-C statt Mini-Displayport
Beide Konfigurationen unterstützen 1 TByte Massenspeicher. Für 2 TByte Kapazität bei ansonsten gleichbleibender Hardware müssen Kunden 5.500 Euro investieren. Microsoft setzt diesmal wohl auf eine herkömmliche SSD statt auf die ungewöhnliche HDD-SSD-Kombination des Vorgängers.
Die Hardware findet wieder im Standfuß Platz. Dessen Rückseite verfügt bei der neuen Version über einen zusätzlichen USB-Typ-C-Anschluss, der den Mini-Displayport-Ausgang des Vorgängers ersetzt. Vier USB-A-3.0-Buchsen, Gigabit Ethernet und der SD-Kartenleser bleiben erhalten. Außerdem liefert Microsoft für den erhöhten Preis identisches Zubehör: einen Surface Pen, eine Surface-Tastatur, die passende Maus - aber kein Surface Dial.

Android Pie für Samsung-Galaxy-Handys: Note-8- und Note-9-Besitzer kommen früher dran

Samsung hat jetzt eine aktualisierte Roadmap seiner Android 9 Pie samt One UI Updates veröffentlicht. Aus dieser ergeben sich ein paar Änderungen.
Das Samsung Galaxy S9 und Galaxy S9+ haben ja hierzulande bereits die Aktualisierung auf die neuste Android Version erhalten. Doch da gibt es natürlich noch eine ganze Reihe mehr an Modellen, die darauf warten.
Der Update-Fahrplan wurde ein wenig überarbeitet, es gab ein paar kleinere Änderungen. So können sich User des Samsung Galaxy Note 8 und Galaxy Note 9 wohl freuen, denn das Android 9 Pie Update soll früher kommen als ursprünglich geplant.
Das Samsung Galaxy Note 9 sollte ursprünglich im Februar aktualisiert werden, dass Galaxy Note 8 dann im März. Nun kommt es bei beiden Modellen einen Monat früher, sprich also, für das Note 9 schon im Januar 2019 und für das Note 8 im Februar 2019.

Huawei P20 im Angebot bei Media Markt und Saturn

Im Vergleich zum Huawei P20 Pro müssen Käufer technische Abstriche machen, wenn sie das Huawei P20 wählen. Das Dual-Kamera-Smartphone gibt es jetzt aber zum stark reduzierten Preis bei Media Markt und Saturn zu kaufen.
Das Huawei P20 steht meist im Schatten des Huawei P20 Pro. Das liegt an den Abstrichen bei der Technik, die Käufer des Standardmodells machen müssen: Es hat eine Dual- statt einer Triple-Kamera, ein 5,8 Zoll großes IPS-LCD statt eines 6,1 Zoll großen OLED-Displays, eine IP53- statt einer IP67-Zertifizierung, 4 GB RAM statt 6 GB RAM sowie einen im Vergleich um 600 mAh kleineren Akku. Dafür kostete es aber zum Marktstart im Frühjahr 2018 auch mit 649 Euro (UVP) genau 250 Euro weniger als das P20 Pro.
Jetzt gibt es das Huawei P20 für deutlich weniger Geld zu kaufen. Die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn bieten das Huawei-Smartphone mit Dual-Kamera, Kirin-970-SoC, 128 GB Speicher und Fingerabdrucksensor in der Home-Taste unter dem Bildschirm zum Preis von 389 Euro an. Zum Vergleich: Andere Händler rufen derzeit mindestens 429 Euro für das P20 ohne Vertrag auf.
Damit ist das Huawei P20 zurzeit auch genauso teuer wie das technisch ähnliche Honor 10mit 128 GB großem Speicher. Der Preis für das Huawei P20 Pro mit Triple-Kamera beginnt derzeit bei 619 Euro. Das neuere Huawei Mate 20 mit Dreifach-Kamera kostet ab 599 Euro.
Die technischen Unterschiede von Huawei P20 und Huawei P20 Pro haben wir in einem Vergleichsartikel übersichtlich in einer Tabelle zusammengefasst. In unserem Fazit nach dem Test des Huawei P20 heißt es: "Für sich genommen ist das Huawei P20 ein sehr gutes Smartphone. Die Verarbeitung ist top, die Leistung sehr gut und die Leica-Kamera knipst in den meisten Situationen sehr ansehnliche Fotos - das P20 Pro ist aber eben noch besser."

Neuer Sonos-Lautsprecher kurz vor Release? Erste Informationen bereits geleakt

Auf der Webseite der US-Zulassungsbehörde FCC sind Dokumente aufgetaucht, die auf das baldige Erscheinen eines neuen Sonos-Lautsprechers schließen lassen. Der offenbar unter dem Namen Sonos S18 entwickelte Lautsprecher soll sich problemlos mit anderen Geräten des Konzerns verbinden und so auch in das Heimkino-Setup integrieren lassen.
Im Hause Sonos bahnt sich offenbar die Vorstellung eines neuen Lautsprechers an: Bei der US-Lizenzierungsbehörde FCC sind Dokumente aufgetaucht, die auf einen neuen Lautsprecher mit der Bezeichnung Sonos S18 hinweisen. Schenkt man den geleakten Datenblättern Glauben, so wird der neue Lautsprecher WLAN und - das wäre eine große Neuerung für Sonos-Lautsprecher - Bluetooth unterstützen.
In dem FCC-Dokument wird ein Versuchsaufbau beschrieben, bei dem der S18-Speaker innerhalb eines Heimkino-Setups als "schnurloser Smart-Speaker (rechts)" genutzt wird. Hierbei dient die Sonos Playbar als "Master Device", grundsätzlich ist hier allerdings auch ein Einsatz des Sonos Beam vorstellbar.
Sonos S18: Integration von Google Assistant oder Alexa ab Werk?
Der Testaufbau mit dem neuen S18-Speaker lässt erahnen, dass der neue Lautsprecher als "Satellit", also als Lautsprecherbox ohne vollwertige Tieftonwiedergabe, zusammen mit der Playbar im Heimkino-Aufbau genutzt werden soll. Das Gerät wäre damit praktische Ergänzung für alle, die ein bestehendes Sonos-System um neue Komponenten erweitern wollen.
Der Eintrag im FCC weist außerdem darauf hin, dass der neue Sonos-Lautsprecher zur einfacheren Bedienung auch eine Touch-Bedienung ähnlich der des Sonos One haben dürfte. Somit scheint auch ein eingebautes Mikrofon zur Fernsteuerung nicht unwahrscheinlich. Auch eine Integration des Google Assistant oder Amazons Alexa, wie bereits bei anderen Speakern des Herstellers der Fall, wird von einigen Medienerwartet.
Welche Funktionen und Bauteile Sonos letztlich im S18 integrieren wird, geht aus den Dokumenten nicht hervor.

Samsung: Update-Fahrplan zu Android Pie und One UI aktualisiert

Samsung hatte den Nutzern des Galaxy S9 und des Galaxy S9+ bereits ein Weihnachtsgeschenk verpasst, beide Geräte bekamen nämlich am 24.12 das Update auf Android Pie und die völlig neue Oberfläche namens One UI. Zeitgleich gab das Unternehmen eine Roadmap aus, wann denn andere Geräte mit einem Update auf Android Pie rechnen können. Und da gibt es für Besitzer des Galaxy Note 8 und des Galaxy Note 9 wohl gute Nachrichten. Geplant war Android Pie für das Galaxy Note 8 im März 2019, während das Note 9 im Februar mit einem Update dran wäre. Ist aber eben nun anders, so soll das Note 9 sein Update noch im Januar 2019 bekommen, das Note 8 hingegen im Februar. 

Nokias Weg vom Handy zum Smartphone

Nokia? Ja, die Marke gibt es wieder. Seit zwei Jahren tragen mehr als zwanzig Handy-Modelle diesen Namen. Noch lebt Nokia gut vom alten Image. Doch wie lange?
Als die Reise nach Espoo in Finnland nahte, um anlässlich eines Jubiläums von Nokia das Unternehmen zu besuchen, fragten viele Kollegen: „Sind die nicht pleite?“ oder „Gibt’s Nokia noch?“. Die Antwort ist nicht ganz einfach. Nokia, wie es viele Menschen noch von früher kennen, als ein Mobilfunktelefon noch ein Handy und kein Smartphone war, gibt es so nicht mehr. Der damalige Apple-Chef Steve Jobs hatte dem finnischen Unternehmen, das 14 Jahre lang Weltmarktführer für Mobilfunkgeräte war, mit der Einführung des iPhone 2007 ungewollt den Todesstoß versetzt.
In den folgenden Jahren wollte jeder nur noch wischen und surfen, weniger telefonieren und SMS verschicken. Als Microsoft 2014 Nokia für sechs Milliarden Dollar kaufte, war es schon zu spät – auch weil die Amerikaner keine geeigneten Rettungsmaßnahmen einleiten konnten oder wollten. 2016 war es vorbei, als die Amerikaner das finnische Unternehmen wieder verkauften. So endete zunächst die Nokia-Story.
Nun geht sie aber weiter: 2017 wurden in der Welt rund 70 Millionen Mobilfunktelefone verkauft, auf denen der Name Nokia steht. Manche Statistiken listen die Finnen im ersten Quartal dieses Jahres an fünfter Stelle der absatzstärksten Smartphone-Hersteller. Nokia ist also noch am Leben. Das haben die Finnen den Chinesen zu verdanken. HMD Global heißt das Unternehmen, das Microsoft 350 Millionen Dollar überwiesen hat, um den Markennamen „Nokia“ verwenden zu dürfen. Dann haben die Chinesen noch ein paar ehemalige Mitarbeiter von Nokia eingestellt und damit angefangen, sogenannte „Feature Phones“ und Smartphonesin Europa zu entwerfen, die dort produziert werden, wo fast alle Smartphones dieser Welt entstehen: in Shenzhen.
Was die Finnen in Espoo bei Helsinki im Dezember feiern, ist also die zwei Jahre junge Wiedergeburt der Marke, mit dem HMD an die frühen Erfolge anknüpfen will. Dabei gilt es stets einen Spagat zu machen, bei dem der eine Fuß in die Vergangenheit und der andere in die Zukunft zeigt. „Keine Nostalgie,“ warnt immer wieder Pekka Rantala, Vizepräsident bei HMD, der zu Nokias besten Zeiten für das globale Marketing zuständig war. Er kann mittlerweile immerhin auf mehr als 20 neue Produkte verweisen, die in mehr als 100 Ländern verkauft und in 200 Ländern im Einsatz sind. Die beliebtesten unter den Handys sind Neuauflagen von Klassikern aus den 1990er-Jahren. HMD profitiert von den Kunden, die sich an vergangene Zeiten erinnern und deswegen ein Nokia kaufen.
Mit zwei Jokern namens 3310 und 8110 ging HMD in die erste Pressekonferenz auf dem Mobile World Congress (MWC) vor knapp zwei Jahren am 26.Februar 2017 in Barcelona. Sie präsentierten zwei Nokia-Handys mit Kultstatus, die neu aufgelegt wurden. Nur wegen dieser beiden Geräte galt die Aufmerksamkeit der Medien in jenen Tagen den Finnen - und nicht Samsung, Huawei oder anderen bekannten Marken, die den Kongress in Barcelona normalerweise für sich nutzen. Auf den Social-Media-Kanälen überschlugen sich Nutzer mit entsprechenden Hashtags. Auf vielen Nachrichtenportalen, die aus Barcelona berichteten, waren immer wieder Fotos des neuen, alten 3310 zu sehen.
Feature Phone als Zweitgerät?
Der Start war also vielversprechend – und hallt wirtschaftlich bis in dieses Jahr nach. Das liegt im Wesentlichen an den Verkäufen der „Feature Phones“. Das sind letztlich Handys, die für eine Sache gut sind: Telefonieren. Auf die Frage, warum sich jemand heutzutage noch solch ein Gerät kaufen sollte, wenn doch alle Welt ein Smartphone nutzt, gab es damals auf dem Mobile World Congress und gibt es fast zwei Jahre später in Espoo die gleiche Antwort: „Als Zweitgerät!“. Jon French, verantwortlich bei Nokia für Westeuropa, ist der festen Überzeugung, dass der Bedarf dafür da ist und seine Kunden deswegen ein solches Gerät gekauft haben. Die Verkäufe geben ihm zunächst Recht. Denn von den 70 Millionen verkaufter Produkte machen die Handys den größten Ab- und Umsatz aus. Dabei läge der größte Markt nicht in Schwellenländern in Afrika oder Asien, behauptet French. Dass man Zweifel an der Zweitgerät-These hat, akzeptiert der neue alte Nokia-Mann. French sucht nach keinen anderen Argumenten, weil die Zahlen für Nokia sprechen.